Zeitgenössische
Photographie und Kunst
Kolumne

Schlauer, kreativer und glücklicher
So einfach geht das

Falls Sie Ihre Vorsätze im neuen Jahr noch nicht über Bord geworfen haben, dann tun Sie es jetzt. Sie kommen viel effizienter und effektiver zum Ziel als Sie je zu hoffen wagten. Liest man über die Erkenntnisse der Wissenschaftler an den Universitäten in Westminster und Montreal dann hat besonders viele positive Effekte auf unser Befinden: Das Anschauen von Kunst.

Neuerdings werden Ausstellungsbesuche sogar von Ärzten verschrieben. Richtig gelesen. Mehr Museumsbesuche gleich weniger Pillen. Die ZEIT geht einen Schritt weiter und titelt über dem Interview mit dem Neurobiologen Semir Zeki: “Schönheit ist lebensnotwendig”.

Über die heilsame Kraft der Bilder

Beim Betrachten einer Malerei, einer Fotografie reduziert sich unser Stresslevel. Zugleich wird unsere Gedächtnisleistung angekurbelt, das Vorstellungsvermögen verbessert und die Fantasie angeregt. Negative Emotionen werden gemindert. Auf ein schönes Bild zu schauen kann mentale Erschöpfung mindern, Stärke und Fokus wiederherstellen. Es schafft den so wichtigen Zugang zu unserer inneren Wahrnehmung – ähnlich wie bei einem Waldspaziergang.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Kunst konsumieren oder selber erschaffen. Die Beschäftigung mit Kunst an sich, hilft uns einen Moment lang abzuschalten, holt uns raus aus dem Alltag hinein in eine neue, fremde Welt, hilft Abstand zu gewinnen. Sie lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Details und so ¬– als willkommener Nebeneffekt – vom hinderlichen Grübeln über festsitzende Gedanken ab. Wie eine Art Mini-Meditation ohne Matte.

Diese Eigenschaften werden gerade in unserer schnelllebigen Zeit immer wichtiger. An der Universität Westminster fand man heraus, dass Probanden, die in ihrer Mittagspause (35 Minuten reichen) eine Ausstellung besuchten, mit niedrigeren Werten des Stresshormons Cortisol an den Schreibtisch zurückkehrten als andere. Außerdem waren sie sozial toleranter und einfühlsamer. Neurobiologen haben die Gehirne von 28 Freiwilligen beim Kunst anschauen untersucht und einen sofortigen Anstieg von Dopamin registriert, ein Neurotransmitter, der anregend, erregend und Motivationssteigernd wirkt.

In Deutschland wird die Kunsttherapie in den tiefenpsychologischen Behandlungen angewendet. Hier setzt man allerdings darauf, eigene Bilder zu malen und zu gestalten.

Wussten Sie, was Kunst anschauen alles bewirken kann?

In Montreal geht man sogar noch einen Schritt weiter: dort verschreiben Ärzte ihren Patienten seit neuestem Museumsbesuche. Statt ausschließlich Medikamente sollen Tausende Patienten mit körperlichen und geistigen Beschwerden Kunst konsumieren und vor Gemälden von Auguste Renoir, Edgar Degas, Rembrandt und El Greco das Glückshormon Serotonin produzieren. Die weltweit erste Initiative dieser Art ist ein Gemeinschaftsprojekt des Montreal Museum of Fine Arts und der Ärztevereinigung Médecins francophones du Canada (MdFC).

Auch hierzulande gewinnt die Erkenntnis an Bedeutung, dass Kunst positive Effekte auf unser Befinden hat. Im Kunstmuseum Bonn, im Frankfurter Städel-Museum und im Lehmbruck Museum in Duisburg gibt es bereits rezeptive Kunsttherapien, also Beschäftigungsangebote mit Kunstbezug, für Demenzkranke.

Ein zusätzlicher und schöner Aspekt von Kunst

Ganz allgemein führt das Hineinsehen in ein gelungenes Werk, ein Landschaftsgemälde, eine schön geformte Skulptur oder eine ausdrucksstarke Fotografie (…ein Dschungelbild von Axel Hütte, eine Portraitaufnahme von Walter Schels) zu einem gestärkten Mental-Zustand. Nutzen Sie die Dynamik des neuen Jahres, um sich wieder intensiv mit Kunst zu beschäftigen!

Besuchen Sie eine Ausstellung (aktuell im DEAR Photography Art Room: Esther Haase), eine Biennale (2019: Venedig und Istanbul), Museum (Einzelausstellung des Künstlers El Anatsui im Haus der Kunst, München) oder eine Messe wie die ART COLOGNE (11.-14. April 2019) und verweilen Sie länger vor einem Kunstwerk als es durchschnittlich geschieht – nämlich nur 11 Sekunden. Genießen Sie das Verweilen, das Abtauchen – die Zeit für sich, ohne sich von anderen Besuchern ablenken zu lassen.

Sie werden merken, dass die Farben und Stimmungen Sie beruhigen, beflügeln und glücklich stimmen können.

Lassen Sie es sich gut gehen!

Ihre Daniela Hinrichs

Für alle die mehr zur Studie erfahren möchten: “The Effectiveness of Combining Visual Art Activities and Physical Exercise for Older Adults on Well-Being or Quality of Life and Mood: A Scoping Review” (Abstract)